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Baufertigstellungen müssen beschleunigt werden

Berlin, 16. August 2018 – Wie das Statistische Bundesamt heute mitteilt, wurden in den ersten sechs Monaten 2018 in Deutschland insgesamt 168.500 Wohnungen zum Bau genehmigt. Damit wurden 0,6 Prozent oder 960 Baugenehmigungen weniger erteilt als im Vorjahreszeitraum. Bereinigt um Neubaugenehmigungen für Wohnheime, die überwiegend für Flüchtlinge errichtet werden, ist die Zahl der Neubaugenehmigungen im Vergleich zu 2017 um 1,8 Prozent gestiegen.

„Wir beobachten bei den Baugenehmigungszahlen seit Anfang des Jahres einen leicht positiven Trend. Das ist erstmal erfreulich. Allerdings ist das kein Anzeichen dafür, dass die Lage auf dem Wohnungsmarkt sich zu entspannen beginnt“, sagt Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes IVD. Er ergänzt: „Zum einen muss sichergestellt werden, dass der Genehmigungsdynamik sich auf lange Sicht verstetigt. Die Vorschläge zur Förderung und Vereinfachung von Baugenehmigungsverfahren liegen auf dem Tisch: Bundesrahmengesetz zur Musterbauordnung, Genehmigungsfiktion, Typengenehmigung. Zum anderen müssen Maßnahmen ergriffen werden, die die eigentliche Bautätigkeit beschleunigen. In einer fertiggestellten Wohnung lebt es sich schließlich angenehmer als in einer bloß genehmigten.“

Schick verweist in diesem Zusammenhang auf die Zahlen des Statistischen Bundesamts zum Bauüberhang. Seit 2008 ist die Differenz zwischen Baugenehmigungen und Fertigstellungen auf derzeit 653.300 genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen gestiegen. „Es ist fast schon ein Skandal, dass sich über die vergangenen zehn Jahre ein solcher Überhang bilden konnte. Mehr als eine halbe Million genehmigter und dringend benötigter Wohnungen hängen in der Warteschleife.“

Die Ursache dafür liegt laut Schick auch im Nachfrageüberhang für Bauleistungen: „Die Bautätigkeit läuft derzeit auf Hochtouren. Die Kapazitäten der Bauwirtschaft sind voll ausgeschöpft. Die Auslastung liegt bei 83 Prozent. Selbst in der Nachwendezeit, der letzten Bauhochphase, betrug die Auslastung nur 70 Prozent. Die Folge ist, dass Bauherrn um das knappe Gut Bau- und Handwerksdienstleistungen konkurrieren. Das hebt die Baukosten, allein im vergangenen Jahr waren es durchschnittlich knapp fünf Prozent. Bauherrn, die keine freien Kapazitäten finden oder sich nicht leisten können, müssen warten und Verträge nach- oder neu verhandeln. Das kann bis zu 16 Monate in Anspruch nehmen.“

„Der Kapazitätsengpass lässt sich leider nicht unmittelbar heilen. Denn dahinter steht ein Mangel an qualifizierten Arbeits- und vor allem Fachkräften sowie fehlende Investitionen in die Digitalisierung und Automatisierung der Bauwirtschaft. Das ist Ergebnis einer jahrelang verschlafenen Entwicklung. Maßnahmen zur Behebung des Baufachkräftemangels und zur Förderung effizienterer Bauweisen und einer verbesserten Baustellenlogistik sollten daher jetzt angestoßen werden. Sie werden aber erst mittelfristig Wirkung zeitigen“, erläutert Schick.

Deshalb sollte die Regierung die 20.000 geltenden Bauvorschriften einer zügigen Revision unterziehen. Dazu erklärt Schick: „Ein komplexes Geflecht aus unterschiedlichen Normen, Richtlinien und Zertifizierungen führen in der Praxis immer wieder zu Problemen in der Anwendung, Verzögerungen und Mehraufwänden. So sind beispielweise für den Brandschutz zwei Prüf- und Klassifizierungssysteme von Bedeutung. Beide Systeme (DIN EN 13501 sowie DIN 4102) nutzen unterschiedliche Prinzipien zur Beurteilung. Solange die Harmonisierung mit der europäischen Norm nicht abgeschlossen ist, müssen Bauherren und Planer beide Normen berücksichtigen. Hier könnte der Gesetzgeber relativ kurzfristig Abhilfe schaffen und die Fertigstellungszeiten verkürzen.“

Quelle: Heiko Senebald, Leiter Kommunikation, Immobilienverband IVD

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